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Kategorie: Prozessmanagement

Die neue ISO 9001-Revision: Was sich ab 2026 ändern wird

Die internationale Norm DIN EN ISO 9001 für die Qualitätsmanagementsysteme (QMS) wird derzeit umfassend überarbeitet. Nach Angaben des technischen Komitees ISO/TC 176/SC 2 (Working Group 29) befindet sich die Revision in der Endphase.

Die Veröffentlichung der neuen Ausgabe, die voraussichtlich die Bezeichnung ISO 9001:2026 tragen wird, ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Der Entwurf des neuen Standards (DIS) wurde Ende August 2025 veröffentlicht und konnte noch bis Ende Oktober kommentiert werden.

Führung und Kultur

Der grundlegende Aufbau der Norm bleibt erhalten, da sie weiterhin der Harmonized Structure folgt. Dennoch enthält die Revision einige inhaltliche und konzeptionelle Änderungen, die das Verständnis und die Umsetzung von Qualität im Unternehmen deutlich erweitern sollen. Besonders stark rückt das Thema Führung und Kultur in den Mittelpunkt: Das Management wird künftig noch stärker verpflichtet, eine echte Qualitätskultur und ethisches Verhalten zu fördern. Die bloße Umsetzung formaler QMS-Anforderungen reicht nicht mehr aus – Qualität soll als gelebter Wert in alle Unternehmensprozesse integriert werden.

Chancen und Risiken

Auch der Bereich Risiken und Chancen wird überarbeitet. Künftig sollen Risiko und Chancenmanagement klar voneinander getrennt, aber gleichwertig behandelt werden. Unternehmen müssen nicht nur Risiken vermeiden, sondern auch gezielt Chancen identifizieren und nutzen. Die Struktur der entsprechenden Kapitel (6.1.1 bis 6.1.3) wird überarbeitet, um Verantwortlichkeiten und Methoden klarer zu definieren.

Begutachtung und Entwicklung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration aktueller gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen. Nachhaltigkeit, Klimawandel, Digitalisierung und ethische Lieferketten fließen nun stärker in das Qualitätsmanagement ein. So wird beispielsweise im Kontext des Unternehmens (Kapitel 4.1/4.2) ausdrücklich auf die Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels hingewiesen, wie es beispielsweise bereits in der DIN EN ISO 14001 der Fall ist. Ebenso werden digitale Prozesse, Datenqualität und automatisierte Systeme, etwa im Zusammenhang mit KI, explizit angesprochen. Das Ziel besteht darin, sicherzustellen, dass moderne, digital gestützte Prozesse ebenfalls qualitätsgesichert und nachvollziehbar gesteuert werden.

Struktur

Die neue ISO 9001: 2026 soll darüber hinaus eine verbesserte Struktur und klarere Formulierungen bieten. Viele Begriffe und Definitionen werden überarbeitet oder neu eingeführt. Ein erweiterter Anhang A liefert zusätzliche Anleitungen für die praktische Anwendung, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Für Unternehmen bedeutet dies: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich auf die anstehende Revision vorzubereiten. Eine frühzeitige Gap-Analyse ist empfehlenswert, um festzustellen, in welchen Bereichen das bestehende Qualitätsmanagementsystem Anpassungsbedarf hat, beispielsweise in Bezug auf Führungskultur, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit. Führungskräfte sollten aktiv eingebunden und geschult werden, um die neue Rolle der Qualitätskultur im Unternehmen zu verstehen. Ebenso lohnt es sich, Risiko- und Chancenprozesse zu prüfen und gegebenenfalls neu zu strukturieren.

Insgesamt wird die neue ISO 9001: 2026 den Qualitätsbegriff erweitern und modernisieren: Qualität bedeutet nicht mehr nur die Erfüllung von Anforderungen, sondern ist Ausdruck einer verantwortungsvollen, nachhaltigen und digital vernetzten Unternehmensführung. Unternehmen, die sich bereits heute aktiv mit diesen Themen auseinandersetzen, werden den Übergang zur neuen Norm deutlich leichter meistern.

 

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